Geschichte der Württembergischen Bibelgesellschaft

1812

Auf Initiative von Pfarrer Steinkopf wird am 11. September im Haus des Kaufmanns Lotter am Stuttgarter Marktplatz die Gründung einer Württembergischen Bibelgesellschaft beschlossen. Am 1. Dezember erteilt König Friedrich I. von Württemberg die Genehmigung zur Errichtung einer öffentlichen Anstalt und verleiht ihr eine Reihe von Privilegien. Danach nennt sich das Unternehmen „Privilegierte Württembergische Bibelanstalt“ und startet mit einem Betriebskapital von 2000 Gulden, 600 Bibeln und 50 Neuen Testamenten. Ihr Ziel ist es, die Bibel unter den Armen des Landes zu einem günstigen Preis und nötigenfalls unentgeltlich zu verbreiten.

1831

Nach mehreren Umzügen bezieht die Württembergische Bibelanstalt ein Haus in der Christophstraße. Hier entsteht das erste Bibelhaus in Stuttgart, das bis 1980 der Sitz des Unternehmens bleibt.

1852

Die Württembergische Bibelanstalt führt die Traubibel ein, die zu einem sehr günstigen Preis abgegeben wird. Damit begründet sie den schönen Brauch in Württemberg, Hochzeitspaaren im Gottesdienst eine Bibel für das gemeinsame Leben mitzugeben.

1897

Mit dem sogenannten „Zehn-Pfennig-Testament“ wird eine Ausgabe des Neuen Testaments angeboten, die durch ihren billigen Preis einen ungeheuren Absatz findet. Im selben Jahr erscheint in erster Auflage das von Eberhard Nestle bearbeitete Griechische Neue Testament (Novum Testamentum Graece). Für Studium und Predigt steht damit eine textkritische Ausgabe des Neuen Testaments in der Ursprache zur Verfügung. Schon bald gilt sie als Markenzeichen der Württembergischen Bibelanstalt und findet weltweite Verbreitung. Gegenwärtig wird die 28. Auflage vorbereitet.

1912

Zum hundertjährigen Bestehen der Württembergischen Bibelanstalt erscheint die „Stuttgarter Jubiläumsbibel“. Es handelt sich um eine Lutherbibel mit erklärenden Anmerkungen, die zahlreiche Hilfen zum Verstehen des Bibeltextes geben. 1931 folgt ihr als Anhang das „Stuttgarter Biblische Nachschlagewerk“ mit Zeittafeln, Konkordanzen, Karten und Fotos. Das Erfolgsmodell der Jubiläumsbibel findet heute ihre Fortsetzung in der Stuttgarter Erklärungsbibel, die gedruckt und in elektronischer Form angeboten wird.

1914

Durch den ersten Weltkrieg steigt die Nachfrage nach Bibeln. In den vier Kriegsjahren werden rund 6 Millionen Bibeln verbreitet.

1923

Durch die zunehmende Geldentwertung erlebt die Württembergische Bibelgesellschaft ihre schlimmste Krise. Die finanziellen Rücklagen schwinden, die Bibelherstellung kommt zum Stillstand und zahlreiche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen stehen vor der Arbeitslosigkeit.

1937

Mit der dritten Auflage der von Rudolf Kittel herausgegebenen Hebräischen Bibel (Biblia Hebraica) erscheint in Stuttgart eine völlig neubearbeitete Ausgabe des Alten Testaments in der Ursprache. Ihr Text basiert erstmals auf der mittelalterlichen Bibelhandschrift des Codex Leningradensis. Dieser Entscheidung folgt auch die 1967-1977 bearbeitete vierte Auflage, die sogenannte „Biblia Hebraica Stuttgartensia“. Sie ist gegenwärtig und weltweit die einzige vollständige wissenschaftliche Ausgabe der Hebräischen Bibel.

1944

Das Hauptgebäude in der Christophstraße wird bei einem Fliegerangriff vollständig zerstört. Die Schriftsätze im Keller bleiben jedoch erhalten und können für die ersten Bibeldrucke in der Nachkriegszeit wieder verwendet werden.

1967

Erstmals in Deutschland wird in der Württembergischen Bibelanstalt eine moderne Bibelübersetzung nach der kommunikativen Methode entwickelt, die den biblischen Text möglichst klar und verständlich zum Ausdruck bringen soll. Sie wird 1982 abgeschlossen und ist heute unter dem Titel „Gute Nachricht Bibel“ millionenfach verbreitet.

1975

Die Württembergische Bibelanstalt in Stuttgart und die Cansteinsche Bibelanstalt in Westfalen, die bislang die Aufgaben eines Bibelverlags für Deutschland wahrnahmen, werden in der Deutschen Bibelstiftung zusammengeschlossen. Damit wird ein Weg eingeschlagen, der 1979 zur Gründung der Deutschen Bibelgesellschaft führt und die Deutsche Bibelstiftung mit dem Evangelischen Bibelwerk verbindet.

1980

Der Neubau des Bibelhauses in Stuttgart-Möhringen wird eingeweiht. Unter seinem Dach finden sich die Druckerei, der Versand und das Bibelmuseum sowie der Verlag, die Weltbibelhilfe und die Württembergische Bibelgesellschaft.

1981

Die Deutsche Bibelgesellschaft wird eine kirchliche Stiftung des öffentlichen Rechts. In ihr besteht die Württembergische Bibelgesellschaft als eine besondere Abteilung fort. Sie führt die regionalen bibelgesellschaftlichen Aufgaben im Sinne der vormals Privilegierten Württembergischen Bibelanstalt weiter. Im Vordergrund steht jedoch nicht mehr die Bibelverbreitung, sondern die Förderung des Umgangs mit der Bibel und ihre Vermittlung in verschiedenste gesellschaftliche Kreise.

2009

Die Deutsche Bibelgesellschaft überträgt die Aufgaben des betriebseigenen Versands dem Logistik-Unternehmen Chris Media in Stauffenberg. Das Bibelmuseum wird geschlossen.

2010

Das Bibelhaus in Stuttgart-Möhringen wird umgebaut. Das vordere Bürogebäude wird für die Vermietung an die Stuttgarter Polizei hergerichtet. Im hinteren Teil, dem ehemaligen Versandgebäude, entstehen die neuen Büroräume der Deutschen Bibelgesellschaft. Anfang 2011 kehren die Deutsche und die Württembergische Bibelgesellschaft in das umgebaute Bibel-Haus in der Balinger Straße zurück. 

2012

Die Württembergische Bibelgesellschaft feiert ihr zweihundertjähriges Bestehen.

Carl Friedrich A. Steinkopf

 

 

 

Erstes Bibelhaus in Stuttgart

 

 

 

 

Bibelkisten werden verladen

 

 

Logo der Bibelanstalt 1922-51

 

 

 

Bibelhaus mit Werkstätten

 

 

 

 

 

 

 

       Jubiläum 150 Jahre

 

 

Bibelhaus in Möhringen

 

 

   Logo der Bibelgesellschaft